Bon jour,
seit 3 Tagen sind wir nun in Marokko und schon am ersten Tag beim Betreten des Landes merkten wir, dass wir uns nun auf einem ganz anderen Kontinent befinden.
5 mal taeglich ruft der Muezin vom Minarett unueberhoerbar zum Gebet. Man sieht den Menschen hier noch ihre Vergangenheit als Nomaden (Berber) an: Die vielen Menschen, die auf dem Feld arbeiten, oder die Huetten und Zelte, die man vom Zug aus immer wieder sieht zeugen von einer bewegten Vergangenheit.
Die Leute, die wir im Zug treffen, sind immer sehr nett und helfen uns, wenn wir fragen haben (es gibt keine Bahnhofsdurchsagen, Ortsschilder etc.) Vielleicht haetten wir vorher unser Franzoesisch etwas aufbessern sollen; dank der kolonialen Besetzung Marokkos durch Frankkreich bis nach dem 2. Weltkrieg ist Franzoesisch 2. Amtssprache – neben Arabisch. Aber viele koennen auch Englisch oder Spanisch, sodass wir uns immer wieder irgendwie verstaendigen koennen.
In den Staedten gehen wir durch die historischen Zentren, die heute zerfallen und arm sind. Wie im europaeischen Mittelalter sieht es hier aus: enge Gassen ohne Kanalisation, ein Menschengewusel und ein Labyrinth von Gaengen – kilometerlang -, Esel und Menschen transportieren alles auf dem Ruecken oder per Karren, Handwerker und Haendler stehen in schmalen Raeumen zur Gasse hin und verkaufen ihr Waren, die sie teilweise auch dort anfertigen – das betrifft auch Lebensmittel und Fleisch; man kann zuschauen, wie ein Schwein oder ein Kalb geschlachtet und zubereitet wird.
Wir werden immer wieder angesprochen, ob wir was kaufen moechten, oder es werden uns Teppiche ausgerollt und ausgefaltet, Tee angeboten und erzaehlt, wie viele Monate die Herstellung (von Hand) eines seidenen Teppichs gebraucht hat. Dann hat man fast ein schlechtes Gewissen, ohne Kauf wieder wegzugehen, aber der Haendler bleibt auch dann noch freundlich.
Aber auch das Feilschen um einen Preis ist ein wahrhaftes Vergnuegen: man kann so den urspruenglichen Preis um mehr als die Haelfte runterhandeln (aber das klappt nicht immer; das haengt natuerlich auch davon ab, wie gern ein Verkaeufer was verkaufen will und wie sehr ein Kaeufer etwas haben will).
Alles in allem fuehl ich mich natuerlich ziemlich fremd in diesem Land. Genaueres erzaehl ich dann, wenn ich wieder zurueck bin.
Heute abend gucken wir Fussball (haben wir gestern auch gemacht beim Spiel um den 3. Platz) und morgen gehts dann nach Marakech, noch weiter in den Sueden.
Das wars erstmal, viele Gruesse aus Afrika,
Matthias